6 Euro Barttrimmer-Reparatur: Akkus tauschen im Remington MB320C (und mein Flug ist jetzt kompensiert)
Kurzfassung: Mein Barttrimmer war tot, jetzt läuft er wieder. Materialkosten: rund 6 Euro. Arbeitszeit: nicht eingerechnet, das war ja das Vergnügen. Und weil Reparieren bekanntlich Ressourcen spart, ist mein Flug im Sommer damit selbstverständlich „vollständig kompensiert“. Aber dazu später.
Mein Remington MB320C begleitet mich seit Jahren. Er schneidet noch tadellos – aber nur noch am Kabel. Kabellos war nach ein paar Sekunden Schluss, und ein Trimmer mit Kabel am Kopf ist ungefähr so praktisch wie ein Fahrrad mit Verlängerungsschnur. Klassischer Fall: Das Gerät ist völlig in Ordnung, die Akkus sind hinüber. Also entweder 40 bis 60 Euro für ein neues Gerät ausgeben – oder eine Stunde Lötkolben-Therapie.

Warum das Ganze?
Der Akku ist in solchen Geräten das einzige echte Verschleißteil. Motor, Schneidsatz, Elektronik – alles hält deutlich länger. Vorgesehen ist ein Akkutausch offiziell nicht: Es gibt keine Klappe, keine Schrauben an der richtigen Stelle, die Zellen sind mit der Platine punktverschweißt. Genau deshalb landen diese Geräte massenhaft im Elektroschrott. Zum Glück haben sich vor mir schon andere daran versucht, und ich habe mich vor allem an drei Quellen orientiert: einem sehr hilfreichen deutschen Beitrag zum MB320C bei FridoDeluxe, einer bebilderten Schritt-für-Schritt-Anleitung zum MB-300 auf Share Your Repair und einem Video zum MB-200, in dem man schön sieht, wo es hakt. Achtung: Die MB-Modelle unterscheiden sich innen, vor allem bei Zelltyp und Verbindung zur Platine. Anschauen lohnt trotzdem.
Die Rechnung: 6 Euro
- 2 NiMH-Microzellen (AAA/HR03, 1000 mAh) mit Lötfahnen, als Zweierpack in Reihe: ca. 5 €
- Schrumpfschlauch, Lötzinn, ein Streifen doppelseitiges Klebeband: ca. 1 € aus der Restekiste
- Werkzeug: war da. Lötkolben, Schraubendreher, Seitenschneider, Zange
- Meine Arbeitszeit: ein entspannter Nachmittag – nicht eingerechnet, weil Hobby
Neupreis eines vergleichbaren Trimmers: 40 bis 60 Euro. Ersparnis also grob 45 Euro und ein Gerät weniger auf dem Wertstoffhof. Wichtig beim Einkauf: Zellen mit Lötfahnen nehmen. Direkt auf die Kontakte einer normalen Zelle zu löten ist Murks – die Hitze schadet dem Akku, und auf den verchromten Polen hält das Lot sowieso schlecht.
Werkzeug
- kleiner Kreuzschlitz-Schraubendreher (Feinmechanik-Set)
- Plastikhebel oder ein flaches Messer für die Seitenteile
- Zange und Seitenschneider
- Lötkolben mit feiner Spitze, ca. 340 °C, plus Lötzinn
- Schrumpfschlauch für die Verbindungen
- doppelseitiges Klebeband und – Spoiler – etwas Kleber
- Pinsel und Isopropanol, denn im Gehäuse wohnen mehrere Jahre Barthaare

Schritt für Schritt
1. Schrauben und Seitenteile
Zuerst kommen die versenkten Kreuzschlitzschrauben raus – zwei auf der Rückseite, zwei weitere sitzen unter dem abziehbaren Kammaufsatz. Danach die silbernen Seitenteile abhebeln. Sie sind eingeklipst und zusätzlich geklebt; ich habe an dem Ende angesetzt, das dem Scherkopf am nächsten ist, und mich dann herumgearbeitet.
2. Scherkopf und Metallklammer
Der Schneidsatz ist am unteren Ende eingehängt und lässt sich nach oben ausrasten. Anschließend die kleine Metallklammer um die Antriebswelle heraushebeln. Beides zur Seite legen, das braucht man später wieder.
3. Die beiden Gehäusehälften trennen – der eigentliche Boss-Fight
Von außen sieht man nichts, aber die zwei schwarzen Halbschalen greifen mit Haken und Laschen ineinander. Hier habe ich mit Abstand am längsten gebraucht. Am Fuß des Gehäuses gibt es einen feinen Spalt, an dem man ansetzen kann. Vom Scherkopf her arbeiten, wenig Kraft, viel Geduld – oder man macht es wie ich und opfert die Rastnasen.

4. Platine heraus, alte Zellen ab
Die Platine liegt nur lose in der unteren Schale und sitzt in zwei Aussparungen. Ist sie draußen, sieht man den Übeltäter: zwei Zellen, punktverschweißt und auf doppelseitigem Schaumklebeband fixiert. Die Blechfahnen habe ich mit der Zange abgeschält und danach direkt an der Platine abgeknipst, weil die neuen Zellen sowieso per Kabel angelötet werden. Gute Gelegenheit, die Platine einmal auszupinseln.

5. Neue Zellen anlöten
Vor dem Löten unbedingt merken, wo Plus und Minus auf der Platine liegen; die Beschriftung neben den alten Kontakten hilft, im Zweifel kurz mit dem Multimeter messen, solange die alten Zellen noch dran sind. Kabelenden verzinnen, rot an Plus, schwarz an Minus, Schrumpfschlauch drüber. Wer will, kann vorher testen: Schalter an der Platine umlegen, Motor muss laufen. Im Gehäuse wäre übrigens sogar Platz für zwei Mignonzellen (AA), aber dann wird es mit den Kabeln richtig eng – die Microzellen sind der bequemere Kompromiss und haben mit 1000 mAh trotzdem mehr Kapazität als die Originale.

6. Zusammenbau
Platine zurück in die Schale, Kabel sauber in die vorhandenen Kanäle legen, damit beim Schließen nichts gequetscht wird. Den weißen Kunststoffschieber zwischen äußerem Schalter und Platinenschalter nicht vergessen – ohne ihn lässt sich das Gerät später nicht einschalten. Neue Zellen mit doppelseitigem Klebeband auf die Rückseite der Platine, möglichst mittig und nah an der Ladebuchse.

7. Gehäuse zu – und die Wahrheit über meine Rastnasen
Beim Öffnen sind zwei der Plastikhaken abgebrochen. Nicht schön, aber auch nicht tragisch: ein bisschen Kleber an den Stellen, Schrauben rein, Metallklammer drauf, Scherkopf einhängen, Seitenteile andrücken. Auf neues doppelseitiges Klebeband für die Seitenteile habe ich verzichtet, die halten auch so. Sieht von außen aus wie vorher.

Was ich nächstes Mal anders mache
- Beim Trennen der Halbschalen mehr Geduld und ein richtiger Plastikspudger statt Messer.
- Vor dem Zerlegen jeden Schritt fotografieren. Man denkt, man erinnert sich. Man erinnert sich nicht.
- Zellen mit Lötfahnen gleich mitbestellen, nicht erst improvisieren wollen.
Und jetzt zum Flug
Reparieren spart Ressourcen, das ist unbestritten. Ein neuer Trimmer will produziert, verpackt und um die halbe Welt geschickt werden, der alte will entsorgt werden. Nur: Das Ding wiegt keine 200 Gramm. Mein Flug im Sommer wiegt in CO₂ ungefähr so viel wie ein ganzer Schrank voller Barttrimmer. Die Rechnung geht also gnadenlos nicht auf – aber 6 Euro, ein gerettetes Gerät und das gute Gefühl, etwas selbst repariert zu haben, nehme ich trotzdem mit. Kompensiert ist damit vor allem meine Laune. 😉
Fazit
Der Akkutausch im MB320C ist keine Raketentechnik, aber auch kein Fünf-Minuten-Job. Wer schon mal gelötet hat, schafft das an einem Nachmittag. Der schwierigste Teil ist nicht die Elektronik, sondern das Gehäuse. Und das Beste: Wenn die Zellen in ein paar Jahren wieder schlappmachen, weiß ich jetzt genau, wo ich ansetzen muss.